Wasserfilter oder Wasservorrat: was das BBK empfiehlt
Warum das BBK einen Wasservorrat empfiehlt und keinen Filter, was bei einem Abkochgebot gilt und wann ein Wasserfilter überhaupt eine Ergänzung sein kann.
Von Tom Calder · Aktualisiert am 2. November 2026 · Nach dem BBK-Ratgeber „Vorsorgen für Krisen und Katastrophen“ (Stand 11/2025), der BBK-Seite „Hygiene in Notsituationen“, den Empfehlungen des Umweltbundesamtes zum Umgang mit Abweichungen nach Trinkwasserverordnung (Stand 11.02.2026) und dem UBA-Ratgeber „Trink Was“ (Stand Februar 2020)
- Das BBK empfiehlt einen Wasservorrat: idealerweise 2 Liter pro Person und Tag, davon 0,5 Liter zum Kochen. Einen Wasserfilter nennt seine Checkliste nicht.
- Der Vorrat hilft in beiden Fällen, die das BBK nennt: wenn kein Wasser mehr aus der Leitung kommt und wenn das Leitungswasser verschmutzt ist.
- Ordnet das Gesundheitsamt ein Abkochgebot an, ist Abkochen laut Umweltbundesamt die Sofortmaßnahme, die gleich wirkt, weil in jedem Haushalt Wasser abgekocht werden kann. Lautet die Anweisung dagegen, kein Leitungswasser zu trinken, reicht auch Abkochen nicht aus.
- Im Alltag ist eine zusätzliche Reinigung des Leitungswassers im Gebäude nach dem Umweltbundesamt in der Regel nicht notwendig. In Filtern, die nicht regelmäßig getauscht werden, können sich Bakterien vermehren.
- Unser Rat: Legen Sie zuerst den Wasservorrat an. Für die Vorsorge zu Hause müssen Sie keinen Wasserfilter kaufen.
Was das BBK empfiehlt
Im Ratgeber des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) heißt es: Ein Wasservorrat ist wichtig, wenn kein Wasser mehr aus der Leitung kommt oder das Leitungswasser verschmutzt ist. Trinkwasser ist sehr wichtig, wichtiger als Essen.
Wie viel? Idealerweise 2 Liter pro Person und Tag, davon sind 0,5 Liter als Wasser zum Kochen gedacht. Für 3 Personen rechnet das BBK mit 18 Litern für 3 Tage, 30 Litern für 5 Tage und 60 Litern für 10 Tage. Alle Haushalte sollten sich möglichst 10 Tage selbst versorgen können; aber auch ein Vorrat für zumindest 3 Tage hilft schon sehr.
Die Checkliste des BBK nennt Trinkwasser, dazu unter „Sonstiges“ einen Wasserbehälter für Löschwasser oder Brauchwasser. Einen Wasserfilter nennt sie nicht. Wie Sie den Vorrat anlegen und lagern, steht im Guide Wasservorrat anlegen.
Warum der Vorrat zuerst kommt
Wasserwerke benötigen nach dem BBK Strom und digitale Systeme. Ohne sie fällt die Wasserversorgung aus. Dann kommt kein Wasser aus der Leitung. Unser Rat: Ein Filter am Wasserhahn hilft dann nicht, denn es kommt kein Wasser, das er reinigen könnte.
Unser Rat: Ein Vorrat in verschlossenen Flaschen ist sofort trinkbar, braucht keine Technik und kein Wissen über die Wasserqualität. Ein Filter für unterwegs braucht dagegen eine Wasserquelle, und was er herausholt und was nicht, steht nur in den Angaben des Herstellers.
Selbst die bakteriendichten Filter („Sterilfilter“), die in Trinkwasser-Installationen eingesetzt werden, sind nach dem Umweltbundesamt (UBA) keine wirksamen Barrieren gegen Viren.
Wenn ein Abkochgebot gilt
Ein Abkochgebot ordnet das Gesundheitsamt an, wenn Keime im Trinkwasser sind, die Durchfälle und andere Erkrankungen hervorrufen können. Das UBA nennt das Abkochen eine seit langem sehr bewährte und effektive Desinfektionsmethode. Nur dieses Desinfektionsverfahren kann als Sofortmaßnahme unmittelbar nach der Information der Betroffenen wirksam werden, da in jedem Haushalt Wasser abgekocht werden kann.
Im Formulierungsvorschlag des UBA für die Information der Haushalte heißt es: Lassen Sie das Wasser einmalig sprudelnd aufkochen und dann langsam über mindestens 10 Minuten abkühlen. Abgekocht werden muss alles Wasser zum Trinken, zum Waschen und Zubereiten von Obst, Gemüse, Getränken oder anderen ungekochten Nahrungsmitteln, für Eiswürfel und zum Zähneputzen. Zur Körperpflege sollte zumindest bei Kleinkindern sowie kranken oder immungeschwächten Personen ebenfalls abgekochtes und dann abgekühltes Wasser verwendet werden. Für die meisten Zwecke sollten Sie warten, bis das Wasser nur noch handwarm ist, um Verbrühungen zu vermeiden.
Unser Rat: Folgen Sie genau dem, was das Gesundheitsamt anordnet; ein Filter ersetzt das angeordnete Abkochen nicht. Mehr im Guide Abkochgebot.
Wenn Leitungswasser gar nicht getrunken werden darf
Es gibt auch den strengeren Fall. Im Mustertext des UBA dafür heißt es: Trinken Sie kein Leitungswasser. Nehmen Sie zur Zubereitung von Nahrung, zum Zähneputzen und zum Reinigen offener Wunden kein Leitungswasser. Es reicht nicht aus, das Leitungswasser abzukochen.
Duschen, Baden, Waschen und die Toilettenspülung sind in diesem Mustertext weiter erlaubt. Für Trinken und Kochen brauchen Sie dann anderes Wasser, und genau dafür ist der Vorrat da. Unser Rat: Verlassen Sie sich in diesem Fall nicht auf einen Filter, sondern auf Ihren Vorrat und die Hinweise der Behörden, etwa über Radio und Lautsprecherdurchsagen, wie es der Mustertext nennt.
Filter im Alltag: in der Regel nicht nötig
Zu Geräten, die im Haus zusätzlich reinigen sollen, schreibt das UBA in seinem Ratgeber zur Trinkwasser-Installation: Eine zusätzliche Reinigung oder Behandlung des Trinkwassers, welches aus öffentlichen Wasserversorgungsanlagen stammt, ist im Gebäude in der Regel nicht notwendig.
Das UBA weist auch auf Risiken solcher Geräte hin: In Filtern, die nicht regelmäßig getauscht werden, können sich Bakterien vermehren und das Trinkwasser verunreinigen. Unser Rat: Wer einen Filter nutzt, wechselt die Kartusche so, wie es der Hersteller angibt. Ein Filter, der lange im Schrank liegt, ist für den Notfall keine Sicherheit.
Brauchwasser für Toilette und Putzen
Neben Trinkwasser brauchen Sie bei einem längeren Ausfall Wasser zum Waschen und für die Toilette. Das BBK rät auf seiner englischsprachigen Hygieneseite, bei einer längeren Störung der Wasserversorgung Wasser in jedem verfügbaren größeren Behälter zu sammeln, etwa Badewanne, Waschbecken, Eimer und Töpfe, und auch an Wasser für die Toilettenspülung zu denken.
Auf der deutschen Seite heißt es: Machen Sie Brauchwasser länger haltbar durch Entkeimungsmittel. Lassen Sie sich dazu im Camping- oder Outdoorhandel beraten. Wie es ganz ohne Spülung geht, steht im Guide Campingtoilette und Toilettenbeutel.
Wann ein Filter eine Ergänzung sein kann
Unser Rat: Ein Wasserfilter kann sinnvoll sein, wenn Sie ihn ohnehin nutzen, etwa auf Wanderungen oder beim Camping. Für die Vorsorge zu Hause ist er eine Ergänzung, kein Ersatz für den Vorrat und kein Ersatz für ein angeordnetes Abkochen.
Unser Rat, wenn Sie einen kaufen: Prüfen Sie in den Angaben des Herstellers, wogegen er wirkt und wie oft die Kartusche zu wechseln ist. Die Checkliste des BBK bleibt der Maßstab: zuerst Trinkwasser für 3 Tage, dann schrittweise mehr.
Unser Rat: Für die Notfallvorsorge zu Hause müssen Sie keinen Wasserfilter kaufen. Das BBK empfiehlt einen Vorrat von idealerweise 2 Litern pro Person und Tag. Ordnet das Gesundheitsamt ein Abkochgebot an, kochen Sie das Wasser ab, wie angeordnet. Ein Filter ersetzt beides nicht.
Häufige Fragen
Brauche ich einen Wasserfilter für den Notfall?
Nein. Die Checkliste des BBK nennt Trinkwasser, idealerweise 2 Liter pro Person und Tag, aber keinen Wasserfilter. Unser Rat: Legen Sie zuerst einen Vorrat für 3 Tage an und bauen Sie ihn schrittweise auf 10 Tage aus.
Reicht ein Filter, wenn ein Abkochgebot gilt?
Unser Rat: Verlassen Sie sich nicht darauf. Das Umweltbundesamt nennt Abkochen das Verfahren, das als Sofortmaßnahme unmittelbar nach der Information der Betroffenen wirken kann, da in jedem Haushalt Wasser abgekocht werden kann. Lassen Sie das Wasser einmalig sprudelnd aufkochen und dann langsam über mindestens 10 Minuten abkühlen, und folgen Sie den Anweisungen des Gesundheitsamts.
Kann ich normales Leitungswasser ungefiltert trinken?
Ja. Eine zusätzliche Reinigung oder Behandlung des Trinkwassers aus öffentlichen Wasserversorgungsanlagen ist im Gebäude nach dem Umweltbundesamt in der Regel nicht notwendig. In Filtern, die nicht regelmäßig getauscht werden, können sich sogar Bakterien vermehren.
Wie mache ich Brauchwasser länger haltbar?
Das BBK rät, Brauchwasser mit Entkeimungsmitteln länger haltbar zu machen, und empfiehlt, sich dazu im Camping- oder Outdoorhandel beraten zu lassen. Brauchwasser ist Wasser zum Putzen und für die Toilette, nicht Ihr Trinkwasservorrat.
Quellen (5)
- BBK: Vorsorgen für Krisen und Katastrophen (Ratgeber, Stand 11/2025)
- BBK: Hygiene in Notsituationen
- BBK: Hygiene in times of need (englische Fassung)
- Umweltbundesamt: Empfehlungen zum Umgang mit Abweichungen nach Trinkwasserverordnung (Stand 11.02.2026)
- Umweltbundesamt: Ratgeber Trink Was (Stand Februar 2020)